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Autumncorpse Gedichtsammlung

PostPosted: Friday 13. June 2008, 13:30
by Autumncorpse
Gräberschlaf

Wortlos,
Schweigend,
Stimmlos lachend
Stürzten wir vom
Himmel nieder
Sündig,
Liebend,
Gott betrügend
Taten wir es immer wieder.

Blutig,
Sinkend,
Brachen Schwingen,
Federn fielen auf
Unser Grab.
Schmerzlich,
Leidend,
Gottlos stöhnend
Seit das Licht für uns erstarb.

Engel waren wir
Vor Jahren,
Als Gebote heilig schienen.
Lebten um dem Herrn zu dienen
Unsterblich am Himmelszelt.
Doch wir brachen alle Regeln,
Stürzten sündig auf die Erde,
Auf das es gereinigt werde,
Unser Herz, das Gott verstieß.

Gefallene,
ohne Hoffnung bleibend
War’n es die als Menschen starben,
Lagen tief am Grund begraben
Bis der letzte Schlag verging,
Bis der letzte Zug getan...

Selig,
Friedvoll,
Leise lächelnd
Liegen wir hier
Nun zu Zweit.
Lieblich,
Schlafend,
Hass vergessen,
Hand in Hand für alle Zeit.
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Er und Sie

Er kam zu mir,
legte sich neben mich,
lächelte nicht einmal mehr.
Seine Hand glitt unter mein Kleid,
berührte meine nackte Haut,
meinen Körper..
Ich erschauderte,
nicht vor Sehnsucht,
nicht vor Begierde,
nicht vor Lust…

Sie wehrte sich nicht,
lag nur still da,
zeigte keinerlei Regung.
Meine Finger streichelten sie,
verwöhnten ihren Leib,
ihre Brust..
Sie zitterte,
vor Sehnsucht,
vor Begierde
vor Lust…

Er drehte sie um,
packte sie auf den Rücken,
wie ein lebloses Stück Fleisch.
Sie wehrte sich nicht,
verkrampfte nur kaum merklich,
ballte die Fäuste..
Er bewegte sich auf ihr,
langsam,
schneller,
rhythmisch…

Sie kamen zum Schluss,
er ächzte, stöhnte - stieg ab,
saß schweigend auf der Seite.
Ihr Körper regte sich nicht,
Augen blickten starr ins Leere.
Sie gefror ein wenig mehr.
Er ging ohne ein Wort,
langsam,
schneller,
rhythmisch…?
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Kriegsopfer

Wir kleben am Boden,
Sinken in Blut
Trinken die Röte,
Bekleiden die Wut
Wir bluten und bluten...

Wir hassen das Leben,
Die lodernde Glut
Die in den Herzen
Der Krieger ruht.
Wir bluten und bluten...

Sie schlagen uns nieder,
Legen in Ketten
Unsere Leiber, nichts -
Nichts kam uns retten.
Wir bluten und bluten...

Sie brennen uns lodernd,
Sie brennen uns heiß
Doch unsere Herzen
Sind frierendes Eis.
Wir bluten und bluten...

Wir kleben am Boden
Sinken in Blut
Verschmelzen im Tod
Mit der sengenden Wut.
Wir bluten und bluten...
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Liebhaber

Die Nacht schläft lüstern neben dir,
Bedeckt mit Blicken deinen Leib.
Lodernd kreist die gliedlos Gier
Leere ist’s die in dir bleibt.
Ihre Hand bleibt unbemerkt,
Wenn sie dein Gebein liebkost
Spendet dir mit ihrer Glut
Einen kleinen Liebestrost.
Wenn die Welt dir Härte gibt
Bleibt die Nacht als Kissen da
Hütet stetig deinen Traum
Und macht alle Träume war.
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Sich selbst der Nächste

Es war Nacht, dunkel, kalt und regnerisch, als sie durch die Schwärze irrte, barfuss, verloren, gepeinigt, blutend.

Hin und wieder kam sie an Menschen vorbei, die sie anstarrten, tuschelten und sich über das tropfende, rote Ding wunderten.
Aber niemand tat etwas um ihr zu helfen.

Sie klopfte an Türen, hoffnungsvoll, immer wieder.
Doch jedermann stieß sie fort, schrie:

„Weg, meine Kinder sollen so was nicht sehen!“
„Verschwinde, ich nehme keine Penner auf!“
„Soll dir doch jemand anders helfen, warum immer ich?“
„Geh! Ich bin nicht die Wohlfahrt!“
„Du beschmutzt meinen schönen Teppich!“
„Was? Dir helfen? Am Ende kriegen wir noch Ärger!“
„Wir haben selber nicht genug. Sollen wir Fremde durchfüttern?“

Sie rannte und rannte,
wimmerte und wimmerte,
bettelte und bettelte,
doch niemand hilft mehr einer Fremden.
Fremd ist schlecht, erzählt man den Kindern.
Dreckig ist böse, erzählt man überall.
Hilf dir selber, sagt die Gesellschaft.
Nächstenliebe ist ein Ammenmärchen, sagt der Verstand.

Und einmal kam sie an eine Tür,
im Fenster hatte noch Licht gebrannt.
Ein kleines Mädchen öffnete ihr und wollte sie herein holen.
Doch ihre ältere Schwester schrie:
„Nein! Weißt du denn nicht, dass man sich selbst der Nächste ist?“, und schlägt der Armen die Tür vor der Nase zu.
....

Am nächsten Morgen findet man ein Mädchen tot im Park.
Sie war krank und mit Wunden von bissigen Hunden gestorben, verblutet unter Qual.
Was klingt wohl an jenem Tag durch die Straßen?

„Ach was ist da nur geschehen?“
“Das arme, arme Mädchen.“
„Warum half ihr nur niemand?“
„Also ich hätte ja was unternommen!“
„Hätte man ihr doch früher geholfen!“
Und jenes Mädchen, das ihr hatte helfen wollen schweigt, denkt nach und murmelt unschuldig:
„Aber wisst ihr denn nicht, das sich jeder selbst der Nächste ist?“
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Willkommen im Leben

Ich war immer allein gewesen, hatte nie viel Kontakt zu Menschen gehabt, oder ihn gewünscht. Doch mit einem Mal saß dieser Junge neben mir. Er schwieg, lächelte nur leicht vor sich hin.
Wir wechselten kein Wort, Tag ein, Tag aus, und trotzdem blieb er an seinem Platz,
direkt neben mir.
Wenn ich aufstand, folgte er.
Wenn ich ging, tat er es mir gleich.
Irgendwann fragte er mich, ob ich ihm ein Lächeln schenke und ich antwortete das ich keines besäße.
Da fuhr er fort, ob ich um ihn weine und ich entgegnete, dass ich keine Tränen habe.
Er schwieg einen Moment lang, stand auf und blickte mich strafend an.
„Dann lebst du nicht.“
Fort an beachtete mich der Junge nicht mehr.
Wenn ich aufstand, folgte er nicht.
Wenn ich ging, tat er es mir nicht gleich.

....
Ich war immer allein gewesen, hatte nie viel Kontakt zu Menschen gehabt, oder ihn gewünscht. Doch es war nicht mehr wie früher.
Mein Blick wanderte immer wieder auf den leeren Platz neben mir.

Als ich ihn wieder sah ging er an mir vorbei.
Ich rief nach ihm, doch er schwieg.
Ich schrie, doch er entgegnete nichts.
Eine einzelne Träne lief an meiner Wange hinab.
Da blieb er plötzlich stehen, wandte sich um und blickte mich an.
Seine Hand berührte meine Wange – er lächelte – und sprach:
„Willkommen im Leben.“